Nicht alle Autorinnen können oder wollen ein professionelles Korrektorat beauftragen. Manche möchten ihren Text zumindest einmal selbst korrekturlesen, bevor er professionelle Augen sieht. Das ist vernünftig. Aber es gibt einige Dinge, die du wissen solltest.
Das Grundproblem: Du siehst, was du schreiben wolltest
Das menschliche Gehirn ist unglaublich gut darin, Fehler zu übersehen, die es selbst gemacht hat. Es ergänzt automatisch, was fehlt, korrigiert innerlich, was falsch ist – und liest damit den idealen Text statt den tatsächlichen. Das ist kein Zeichen von Unaufmerksamkeit, sondern von Kognition.
Techniken für effektives Selbst-Korrektorat
Lies deinen Text laut vor – du wirst Fehler hören, die du lautlos übersehen hättest. Lass Zeit vergehen, bevor du korrekturliest – mindestens eine Woche Abstand. Ändere die Schriftart oder den Zeilenabstand, damit das Gehirn den Text „neu“ wahrnimmt. Oder lass eine Text-to-Speech-Anwendung vorlesen.
Auf was du besonders achten solltest
Kommasetzung bei Nebensätzen. Groß- und Kleinschreibung nach Gedankenstrichen. Einheitliche Schreibweise von Namen und Begriffen. Anführungszeichen (im Deutschen: „ und “ statt “ und „). Wiederholungen desselben Wortes auf engem Raum.
Wo das Selbst-Korrektorat an Grenzen stößt
Auch das sorgfältigste Selbst-Korrektorat findet nicht alle Fehler. Das ist keine Frage der Sorgfalt – das ist menschliche Biologie. Für eine professionelle Veröffentlichung empfehle ich immer, zumindest ein Vier-Augen-Korrektorat einzuplanen.
Fazit
Selbst-Korrektorat ist besser als keines. Aber es ist kein Ersatz für professionelle Augen. Nutze es als erste Reinigungsstufe – und hol dir dann Unterstützung.