„Stimme“ – auf Englisch „Voice“ – ist wohl der meistgenannte und am schwierigsten greifbare Begriff in der Schreibberatung. Was ist Stimme überhaupt? Kann man sie entwickeln? Kann man sie erlernen?
Was Stimme bedeutet
Stimme ist das, was einen Text unverwechselbar macht – die Summe aller stilistischen Entscheidungen, die Haltung der Erzählerin, der Rhythmus, die bevorzugten Bilder, der Ton. Eine Autorin mit starker Stimme ist erkennbar, auch wenn der Name nicht auf dem Cover stünde. Ihre Bücher klingen nach ihr.
Stimme ist nicht Stil
Stil ist das Wie – die technischen Mittel. Stimme ist das Warum dahinter. Zwei Autorinnen können denselben klaren, kurzen Satzbau verwenden – und trotzdem völlig anders klingen. Stimme entsteht aus Haltung, Weltsicht, Persönlichkeit.
Stimme kann man nicht erzwingen
Viele junge Autorinnen versuchen, die Stimme bewunderter Schriftstellerinnen zu imitieren. Das ist kein Fehler – man lernt durch Nachahmung. Aber irgendwann muss man loslassen und anfangen, die eigene Stimme zu suchen. Sie entsteht nicht durch Entscheidung, sondern durch das Schreiben.
Wie du deine Stimme findest
Schreib viel – und schreib ohne inneren Zensor. Lies dein altes Schreiben durch und suche nach wiederkehrenden Mustern: Welche Bilder tauchen immer wieder auf? Welchen Ton nimmst du an, wenn du frei schreibst? Was bleibt über alle Texte hinweg erkennbar deins?
Fazit
Deine Stimme ist bereits da – sie wartet darauf, freigelegt zu werden. Schreib. Viel. Ehrlich. Und höre auf das, was aus dir herauskommt, wenn du aufhörst, jemand anderen zu imitieren.